Fachliche Begleitung durch Werkstätten Hainbachtal bei historischer „Jumelage für Menschen mit geistiger Behinderung“
Mittwoch, den 04. August 2010 um 10:32 Uhr
Als der Europarat in Straßburg im Jahre 1955 einen „Europapreis“ stiftete, mit dem besondere Verdienste um die europäische Idee gewürdigt werden sollten, gehörte Offenbach am Main nach der Verschwisterung mit der französischen Stadt Puteaux (bei Paris) zu den ersten Preisträgern.
Die beiden Städte und ihre Bürger pflegen seither dauerhafte Kontakte und erkannten gemeinsame Interessen in freundschaftlicher Verbundenheit. Der Austausch kultureller Angebote, sowie Jugend- und Sportbegegnungen zeichnen seitdem die Städtepartnerschaft, zu der sich mit der Zeit noch etliche europäische Kommunen bekannten. Auch einige außereuropäische Städte schlossen mehr oder weniger offiziell diesen Verbindungen an.
In diesem Jahr beschreitet Offenbach am Main gemeinsam mit den Werkstätten Hainbachtal (Werkstatt für Menschen mit Behinderung) einen neuen, auf dieser Basis erstmalig zu beschreitenden Weg. Mit einer „Jumelage für Menschen mit geistiger Behinderung“ erging an die Partnerstädte Puteaux (Frankreich), Mödling (Österreich), Esch sur Alzette (Luxemburg), Velletri (Italien) und Köszeg (Ungarn) eine besondere Einladung an den Main.
So kommen vom 19. bis 23. August Bürger der Partnerstädte zusammen, die ansonsten nicht unbedingt in der ersten Reihe derer stehen, die sich an solchen Treffen beteiligen können. Eine Anfrage der Offenbacher Werkstätten Hainbachtal, einer Facheinrichtung für Menschen mit Behinderung, wurde im vergangenen Jahr von der Stadt spontan aufgegriffen und wird nunmehr umgesetzt.
Gegenseitiges Kennenlernen über die Sprachgrenzen hinaus und gemeinsame Aktivitäten werden dabei im Mittelpunkt stehen. An dem Freitag können sich die Gäste mit Behinderung und deren Begleiter das Klingspormuseum und die Stadt ansehen. Am Abend ist ein Besuch und die aktive Beteiligung am Lichterfest im Büsingpark vorgesehen. Der Samstag wird überwiegend im Hainbachtal verbracht, hier werden die dort beheimateten Werkstätten ihre Einrichtungen vorstellen und am Nachmittag einige Projekte unterschiedlicher Kunsttechniken anbieten.
Der Sonntag steht dann im Zeichen des Dritten Hessischen Musikfestival für Bands aus Behinderteneinrichtungen. Die bereits 2007 und 2008 durchgeführte Veranstaltung wird wiederum hunderte von Besuchern begeistern und aufzeigen, zu welchen auch musikalischen Leistungen Menschen mit einer geistigen Behinderung in der Lage sind. Die vier Musikgruppen, darunter auch die Offenbacher COMBO, spielen somit in diesem Jahr vor internationalem Publikum.
Intensive Recherchen haben mittlerweile bestätigt, dass diese Offenbacher „Jumelage (frz.: Austausch, Begegnung) für Menschen mit geistiger Behinderung“ erstmalig in Deutschland durchgeführt wird. Offenbach am Main, das bereits vor 55 Jahren Pionierarbeit bei der Verschwisterung von europäischen Städten geleistet hat, besetzt hiermit erneut eine Vorreiterstelle, ganz im Sinne der UN-Konvention für Menschenrechte.
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